von Alexander Gottschalk, Lewis Carroll, Walt Disney, den Machern von Matrix und Kinderzimmer Productions

„Szenenwechsel, diesmal trete ich durch die Tür,
dahinter: Party, mancher hält es wohl dafür.
Ich trete ein in den Gang, tret' noch näher ran.
Die Luft ist so dick, dass man sie schon in Scheiben schneiden kann.
Der Duft der in der Luft hängt ist ziemlich orientalisch;
Tabak und hmmmmm... ja, was ist es?
Der erste kommt: Hey man, ich bin so stoned.
Der zweite kommt: Hey man, ich bin so stoned.
Der dritte kommt: Hey man, ich bin so stoned.
Schön für euch Jungs,
ich bin das alles schon gewohnt.
Alle reden über Stoff
Stoff hier und Stoff da.
Geht doch alle auf die Knie
und legt Stoff auf nen Altar.
Gemütlich und gesprächig sitzen alle in der Runde
die Augen starr gradeaus und alle lallen nur im Grunde.
Ich steh’ vor der Entscheidung:
geh' ich nach Haus
oder bleib' ich hier noch länger und betäube mich auch?”
Bekanntlich habe ich mich oft für die Betäubung entschieden. In meiner einstigen Wirklichkeit hielt ich es nur selten mit mir aus, suchte immer nach angeblich Interessanterem als mir selbst, wünschte jemand anders, woanders zu sein. Ich träumte davon, diese sich immer wieder in den Vordergrund drängelnde MS abgeben, wegschieben, ausknipsen zu können. Meine Angst, meine Scham, meine Unwissenheit und meine Sehnsüchte trieben mich mächtig ausdauernd in dieses selbstverhindernde, weil ahnungslose Delirium hinein. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es da draußen Anderes, Abenteuerliches und vor allem Bedeutsames für mich gibt. Eine lange Weile stritt ich mit mir, bewusst diese Deliriumssache in den berühmten Griff kriegen zu wollen. Ja, zu müssen. Geraume Zeit hatte ich das Gefühl, wie ein bedächtig aushärtender Kaugummi unterm Tisch zu kleben, reglos in mir selbst gefangen. Meine misshandelten Innerlichkeiten weinten nach Freiheit. Mit griesgrämiger Entschlossenheit also, ging ich diese Misere an. Entschlossen verbot ich mir die Flucht ins Delirium, verbot mir höchstpersönlich die vermeintliche Erholung von meinen Dämonen, verbot mir...mich selbst. Ich setzte mich allein noch zusätzlich unter Druck. Sagte kurz, knapp und völlig unreflektiert "Nein" zu meinen Bedürfnissen und betrog mich so auf rabiateste Art und Weise. Unwirsch fegte ich meine Hoffnungen und Sehnsüchte beiseite und glaubte, sie blieben für immer fort. Dennoch trottete ich x-mal betrübt und unzufrieden nach Haus. Die kleine Höhle hinter dem tosenden Wasserfall war mein damaliges Heim. Dort konnte mich niemand sehen und auch meine klagenden Hilferufe nicht hören. Mein einziger Unterschlupf zu jener Zeit war jämmerlich karg, muffig, kalt und dunkel, kein behagliches Zuhause. Ein Zuflucht bietender Rückzugsort zum Verstecken, ich wusste sonst nicht wohin. Jedoch bot er mir scheinbaren Schutz, dort fühlte ich mich eine Zeit lang seltsam geborgen, trotz seiner Enge. Umarmt und eingeschlossen wie ein unreifer Schmetterling in seinem Kokon, eine sich unaufhaltsam entwickelnde Blüte in ihrer Knospe. Ich seh mich dort an der Wasserkante stehen, ein kleiner Junge mit Finger im Mund, schluchzend, hilflos und unbedeutend. Meine Tränen vermischten sich mit dem klaren, kalten Wasser des Falls.
Doch dann…irgendwann kam der Tag, an dem die Gefahr in meiner Knospe auszuhalten spürbar quälender wurde, als das undenkbare Wagnis endlich zu blühen. Ich überwand meine Angst, die in der verwaisten Beschränktheit meiner ehemaligen Bleibe ungestört gedeihen konnte. Meine Furcht war fast schon übermächtig, hat mir, mittels meiner Scham und Unwissenheit, leidvoll deutlich meine ureigenen Abgründe gezeigt. Mit roher Gewalt und unerbittlich hat sie zuweilen an mir gezerrt. Ich hatte anfangs gar keine Kraft dieser belastenden und lähmenden Macht irgendwas Ersprießliches entgegenzusetzen, deshalb dauerte jener Tag beinah ein ganzes Jahr. Jedoch ermutigten mich meine körperlich wachsenden Einschränkungen nachdrücklich, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu sortieren und gewisse, gegenwartsnahe Gesinnungen zu entwickeln. Sowas braucht Zeit. Und eine Chance.
„Dies ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein zurück. Schluckst du die blaue Kapsel, ist alles aus, du wachst in deinem Bett auf und glaubst an das, was du glauben willst. Schluckst du die rote Kapsel, bleibst du im Wunderland und ich führe dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.”
Dieses geheimnisvolle Versprechen gibt Morpheus gegenüber Neo im Film Matrix von 1999. Die drei Fortsetzungen brauchst du nicht gucken, kein neuer Plot, nur noch mehr Krach. Es geht um den jungen Mann Neo, also dem Neuen, der in seiner Welt Dinge sieht, die er nicht versteht und deshalb gehörig zu Zweifeln beginnt. Hinzu kommt noch, dass Neo ein Auserwählter sein soll und von dubiosen Mächten des zionistischen Sonnenscheins beobachtet und sehnsüchtig erwartet wird. Das Orakel hatte seine Ankunft vorhergesagt. Ähnliches ist bei uns Normalos eher nicht vorgesehen, aber auch wir dürfen uns irgendwann entscheiden, die Frage beantworten zu wollen, wer wir eigentlich sind. Gerade mit unserer beschissenen Erkrankung wissen wir am Anfang, in der Mitte und am Ende unter Umständen nicht genau, wer uns da wirklich aus dem Spiegel heraus verzweifelt, fragend anglotzt. Dieser Jemand benötigt dringend eine freundliche und tröstende Antwort. Eine Antwort, die bestenfalls aus einer großen Geborgenheit entstehen kann. Diese hochwichtige und sehr, ja geradezu intime Angelegenheit, darf sich durchaus auch aus uns selbst heraus entwickeln, möglicherweise muss sie es sogar, da wir Schutz und besonders Trost nicht immer von außen erhalten. Zugewandtheit und vornehmlich Mitmenschlichkeit sind leider nicht jedermann vergönnt. Dies kostbare Streben die uralte Frage "Wer bin ich?" beantworten zu wollen, ist aber auch eine Mutprobe. Wir dürfen den Schritt wagen, uns auf die mitunter schmerzhafte Suche nach uns selbst machen und auch mal einem weißen Kaninchen hinterherlaufen. Oftmals entsteht eine große Leere, nachdem das Leben seine fantastischen Auswirkungen, schlimmer noch, seine von nun an geltenden Einschränkungen präsentiert hat. Das ganze Konstrukt, unser schönes Kartenhaus, an dem wir unser ganzes Leben lang mühselig gebaut haben, ist zusammengebrochen. Genau wie Neo missfällt mir der Gedanke, mein Leben nicht unter Kontrolle zu haben, was auch immer das heißen mag. Nach einer so einschneidenden Erkenntnis, nach der nichts mehr ist, wie es früher mal war, verlieren wir im ersten Moment die Kontrolle, wir straucheln und müssen unseren Alltag, besser jetzt als gleich, neu reglementieren. Denn eigentlich geht hoffentlich fast alles. Eben nur anders. Dieses "anders" zu entdecken und für sich anzunehmen, erfordert erstmal unglaublich viel Empathie sich selbst gegenüber. Und Authentizität. Wenn ich mich selbst wenig fühle und unehrlich mir selber gegenüber bin, kann ich direkt liegenbleiben und laufen lassen. Sehr viele Positionswechsel sind nötig, leidenschaftlicher Mut das Leben aus unberührten Blickwinkeln betrachten zu wollen, wirklich bewusst wahrzunehmen und genauestens zu hinterfragen. Altes freigeben und Neuem gelassen begegnen. Die Bedeutung von Zeit neu entdecken, sollte es sowas Erbarmungsloses wie Zeit überhaupt geben. In jüngerer Vergangenheit habe ich Einiges gelesen, unter anderem ein Gedicht, in dem es um die nervöse Hektik der heute etablierten Karussellgesellschaft geht. Nach Seiner Lektüre bin ich umgehend zur Biergartengesellschaft konvertiert. Denn meine Seele hat es wirklich eilig. Plötzlich ist Vergangenes, vermeintlich Wichtiges, unwichtig. Ich habe tatsächlich keine Zeit für endlose und absurde Diskussionen, manipulative Menschen, Mittelmäßigkeit, sinnlose Regeln und Vorschriften. Ich brauche keine plakativen Zeichen, Symbole und Bildchen, die allgegenwärtig schreiend meine Aufmerksamkeit rauben. Ich will das Wesentliche, das Echte, die Tiefe. Die Oberfläche kenne ich bereits. Wir alle haben zwei Leben und das Zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast. Dann ist es auch nicht mehr weit, die Lebendigkeit von Zeit wahrzunehmen. Diese verkannte Dimension hat nämlich ein geduldiges Gemüt und es ist sogar möglich, mit ihr zusammen, spielend selbstwirksam zu werden. Denn die wahre Großzügigkeit uns selbst gegenüber besteht darin, unserer Gegenwart Alles zu geben, oder die Zukunft wird keine Vergangenheit haben.
“Temet nosce” steht über dem Türsturz in der Küche vom Orakel. Der arme Neo weiß gar nicht, wie ihm geschieht und hofft auf die von allen anderen wehmütig erwartete Erfüllung der Prophezeiung. Hofft, gut genug der Auserwählte zu sein. Erkenne dich selbst. Neo und ich haben schon viel getan, und zwar den ersten Schritt. Wir haben unseren ganzen Mut zusammengenommen, haben aufwühlende und unangenehme Erfahrungen hinter uns gebracht und uns unter großen Schmerzen von lieb gewordenen Gewohnheiten, Ansprüchen und Erwartungen weitgehend abgenabelt. Neo wurde sogar körperlich aus seinem batteriellen Gefängnis befreit, Neuro-Interfaces und Bio-Anschlüsse aus seinem Körper herausgezogen und statt Nährstofflösung atmet er nun echte Luft. Bei ihm ist also psychisch und gleichwohl körperlich etwas Gewaltiges passiert bevor er zum Orakel vorgelassen wurde. Ich musste erst unheilbar krank werden, bevor ich mich in die fürsorglichen Hände meiner Psychotherapeutin begeben habe.
Du brauchst ab jetzt vielleicht ein bisschen Fantasie.
Ich bin nämlich auch eine ganze Weile herumgeirrt, bis ich wenigstens eine Ahnung davon hatte, wo mein Weg zu mir selbst lang gehen könnte. Ich habe mich lange Zeit dagegen gewehrt, auf Hilfe angewiesen sein zu müssen, nicht mehr mein gewohntes Ding machen zu können, körperlich immer weiter abzubauen und mir hilflos beim Verschwinden zusehen zu müssen. Das ist doch total verständlich, mir wurde der Boden unter den Füßen weggerissen und ich verstand die Welt nicht mehr. Die Aussicht in die Zukunft sah plötzlich unheimlich finster aus. Eine Dystopie, die sich innerhalb meiner eigenen Blase unaufhaltsam ausbreitete, die ungeahnte, tief vergrabene und ebenso tief verwurzelte Ängste mit sich brachte. Ein Orakel und meine Psychotherapeutin haben durchaus Gemeinsamkeiten aber auch einen gravierenden Unterschied. Beide sind zugewandt und tröstend. Beide wollen dir nichts Böses. Aber ein Orakel guckt dich nur an und sagt dir direkt ob du hot oder not bist. In der Psychotherapie findest du das hoffentlich selber raus. Bis ich begriffen hatte, dass auserwählt sein nichts anderes als verliebt sein bedeutet, gingen zahllose, anfangs schwierige Stunden intensiver Kennenlerngespräche ins Land. Jedoch war meine Therapeutin nicht diejenige, die mich kennenlernen musste, ich war derjenige, der sich selbst nicht nahe war. Sie zeigte mir, wie ich die Distanz zu mir verringern kann, wie ich mich fühlen lerne und dass ich meine Bedürfnisse nicht unterdrücken, sie aber sehr wohl wahrnehmen, vermitteln und auch gewähren lassen darf. Sie zeigte mir, wie ich entdecke, dass ich verliebt bin. In mich selbst, nämlich. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte meine Transformation überhaupt Früchte tragen.
"Du hast die Gabe, aber du scheinst auf irgendwas zu warten", ich kenne die wirkliche Bedeutung hinter diesem Satz, den das Orakel bedauernd und traurig in Neos erwartungsvolles Antlitz spricht. Und hier liegt der große Unterschied, die immens große Andersartigkeit, der Juckepunkt, der Kasus knacktus. Ein Orakel soll, mittels seines geheimnisvollen Wissens, irgendwas vorhersagen. Dieses Wissen aber steht allein dem Orakel zur Verfügung und entlässt den Kandidaten unter Umständen wie ein verirrtes Kind. Worauf Neo angeblich wartet, hat sie ihm ja nicht gesagt. Oder wenigstens einen denkbaren Weg dorthin gezeigt. Die Erkenntnis nähergebracht. Nein. Niemand, kein Orakel und auch keine Therapeutin weiß, wer du bist. Das kannst und das darfst nur du selbst, ganz allein und in deiner eigenen Geschwindigkeit entdecken. Gleichwohl reicht es nicht, den Weg nur zu kennen, es sei dir ans Herz gelegt, ihn wahrhaftig zu gehen. Natürlich darfst du dir dabei helfen, dich ermutigen lassen, gerade wenn du gestolpert bist oder sich mehr Fragen auftun als du dir bislang beantworten konntest. Deine Augen bitter-süß schmerzen, weil deine Wahrnehmung so neu ist. So, als hättest du noch nie auf diese Weise aus deinen Fenstern in die Welt geschaut. Aber lass dir bloß nichts einreden. Lass dich nicht überrennen. Schon gar nicht von dir selbst. Übe dich in Geduld mit dir. Du allein darfst erfühlen, was deine Bedürfnisse sind und wie du dir die Erfüllung derselben, wohlwollend zugestehen oder versagen kannst. Ohne dich dabei gewaltsam selbst zu beschneiden, vielleicht weil du denkst: Das kann ich doch nicht machen, das macht man doch nicht. Naja, du bist jetzt aber nicht mehr dieser beschnittene man, der sich den anderen gesichtslosen “man’s” unter der Tarnkappe der Gesellschaft anschließt, in der grauen Masse nach scheinbarer Sicherheit und vor allem maskierender Anonymität sucht, sich zu nichts und niemandem wirklich bekennt und den Kopf vor seiner eigenen Authentizität einzieht, um wie ein suizidaler Lemming kopflos ins Unglück zu stürzen, nur damit dieser ungehört, ungeliebt und nicht mal bemerkt wie eine bedeutungslose Erinnerung allmählich verblasst. Trau dich! Einzig durch ständige Selbstüberwindung können wir ein vollkommeneres, ein unvergleichliches, ein ganz wunderbares Exemplar unserer selbst werden. Ich kann das und Du darfst es auch! Wir sind nämlich auserwählt.
Ja genau, deswegen ist für uns ab sofort jeden Tag Blumatag und wir müssen tagtäglich unserer Erwählung entsprechen und dem Jabberwocky den Kopf abschlagen.
NIEDER MIT DER ROTEN KÖNIGIN!
„Das ist gar kein Unsinn. Glaubt mir, Kinder; in meinem Wunderland, da ist alles ganz anders. Dort ist nichts so, wie es hier ist, wenn da alles so wäre wie hier, nichts. Und andersrum, was hier nicht ist, würde dort sein. Und was da eben nicht sein würde, existiert. Kapiert?“
Wir sind jetzt kein Unkraut mehr, sondern mutig genug, eigene Trends zu setzen und rennen ausgelassen frohlockend der Herzkönigin und Agent Smith davon. "Ab mit dem Kopf, Mr. Anderson." So tönt es hilflos und verzweifelt immer leiser, weit entfernt hinter uns. Doch vor uns: "Wir haben keine Zeit!!" plärrt das weiße Kaninchen hektisch und zeigt panisch auf die tickende Taschenuhr. Dideldei und Dideldum wollen wir unterwegs auch noch einsammeln. “Zu spät, zu spät, zu spät”. Ach je und Onkel Raupe, der sich nun gleich in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt. Er lässt sich so unendlich viel Zeit bei seiner Transformation. Dabei ist die irre und geistgestörte Grinsekatze auch unterhaltsam. Aber keinesfalls wirklich hilfreich, um die Nichtgeburtstagsfeier vom Märzhasen, der Haselmaus und dem verrückten Hutmacher begreiflich zu machen. Wir haben hier im Wunderland echt alle einen am Helm. Momratzen zeigen uns einen Weg, den der Besenhund einfach so und gründlich wieder wegfegt. Und doch bist du nie allein im bunten Reich der Fantasie. Wenn du nicht so neugierig gewesen wärst, wären wir ja gar nicht hier.
Jaaah, ihro Majestät. Geduld ist eine Tugend; manchmal aber auch nur eine fette, alberne, aufgeblasene, alte Tante. Sogar im Wunderland.
Und so spähe ich neugierig in den Kaninchenbau hinein. Dunkles, diffuses Nichts gewöhnt sich langsam an die müde Netzhaut meiner vor Ehrfurcht starren, geweiteten Augen. Ein feuchter, erdiger, sanfter Lufthauch weht mir freundlich entgegen und streichelt liebkos über mein Gesicht. Tief unten im Bau scheint etwas auf mich zu warten, es mag winseln, wimmern. Etwas Ungeahntes, überraschend bitter-süß Schmerzhaftes erwacht plötzlich in meiner Brust. Rätselhaftes beschleicht mich, eine Intuition für sowas wie Heimat, wofür ich lange Zeit nicht mal ein Gefühl hatte, jedoch mein ganzes Leben schon vermisse. Ich spüre eine, ja, transzendente Vibration aus der Höhle emporsteigen. In meinem Kopf...mein ganzer Körper jauchzt vor Euphorie, ist feinfühlig sensibel und voll gespannter Erwartung auf intensivste Wahrnehmung eingestellt. Mein Herz pocht, mein Blut rauscht, alle Haare stehen ab, Ausnahmezustand. Es ruft nach mir, es klingt so vertraut. Ich glaube an dich, ich habe keine Angst mehr vor dir. Alex im Wunderland? Meine Neugier beginnt zu träumen und verlangt nach Inspiration. Ich male mir aus, in allen bunten Farben, elektrisierend warm und märchenhaft schön…wer weiß, möglicherweise, vielleicht...vielleicht habe ich schon mein ganzes Leben auf genau so jemanden wie mich gewartet.
"Hallo?", "Alex?"
Kleinste Bröckchen Erde fallen von oben herab, rieseln in mein Haar, kitzeln mein Gesicht. Dicke, wulstige, sich windende Wurzeln geleiten mich tief in die Eingeweide des Kaninchenbaus hinab. Ich muss zu ihm.
“Hallo Alexander?”, “Wo bist du?"
Ich seh erst nur schwarze Finsternis. Ein leises, noch fernes Glimmen beginnt zu tanzen und weist mir den unbekannten Weg. Das Erdloch wird immer geräumiger, doch Einzelnes lässt sich im dumpfen Zwielicht nicht erkennen. Das Glimmen versucht, sich in einem Nebel zu verstecken, doch gleich bin ich bei ihm und fange es. Ich purzele plötzlich angenehm und falle ohne zu Fallen. Das Kaninchenloch rutscht verblüffend senkrecht nach unten ab und wandelt sich in ein gemütliches Wohnzimmer mit lustig gewachsenen Schränken und Regalen an den runden Wänden. Mein sanfter Sturz und meine unglaubliche Neugier lassen mich alles um mich herum genau betrachten. Schöne Dinge schweben wie selbstverständlich auf mich zu und scheinen mich zu necken. Wir glucksen und spielen ein bisschen miteinander, während sich unter mir der Nebel zu lichten beginnt und … DA!
Fantastisch Herzliches winkt mich mit glänzenden Augen, strahlend vor Freude, mit ausgestreckten Armen aufgeregt hüpfend, zu sich heran.
“Endlich, da bist du ja."
Kunstgerecht hantiere ich mit Armen und Beinen, versuche mich an das kleine Menschenkind heranzurudern. Atemlos und zum Reißen gespannt ob der sich nun gleich zeigenden, meine eigene Kindlichkeit, direkt vor mir.
“Ich war die ganze Zeit hier!", lacht der kleine Junge aus meiner traurigen Höhle vergnügt.
"Warum hast du denn nichts gesagt, dich nicht bemerkbar gemacht?" will ich dringend wissen, während ich langsam neben ihm zu Boden gleite.
"Oh, das habe ich oft, doch du hast mich nicht verstanden. Du musstest dich erst wieder an mich erinnern."
Er strahlt und ergreift meine Hand. Ganz doll halten wir sie fest, als könnten wir uns sofort wieder verlieren.
"Jetzt ist alles gut!"
Wir leuchten. Wir vibrieren harmonisch unsere fortan einstimmige Melodie.
Selig, staunend, voller Freude, teuer und geheimnisvoll, nach langer Suche glücklich wiedervereint stehen wir dicht beieinander vor dem noch winzigen Portal. Bedächtig teilen wir eine Morchel, sehen tief in uns hinein und mit großen Augen und klopfenden Herzen treten wir Hand in Hand … durch die kleine Tür.
Glaube an Wunder, Liebe und Glück
schau stets nach vorn und nur selten zurück.
Tu was du willst, doch steh dazu
denn dein Leben lebst nur du.